Textfeld:  Die Wendel-Familie weltweit………

 

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 Familiengeschichte...

LESEPROBE - LESEPROBE - LESEPROBE aus … „Die Wendels“... auf dem Balkan – Die Einwanderergeneration

6.A.1. Die Anwerbung

Dass der Kaiser Menschen suchte, die bereit waren ihre alte Heimat zu verlassen sprach sich schnell herum. Die angebotenen Vergünstigungen gegenüber der Bevölkerung wurden so präsentiert, dass sie diese nicht ausschlagen konnte. Das erfuhr man durch eine Vielzahl, von eigens zum Zwecke der Anwerbung gedruckten Exemplare des im September 1782 erlassenen kaiserlichen Patents.  Die Werbung begann im darauf folgenden Jahr 1783 in der Rheingegend. „Keine Stadt, Marktfleck oder Dorf war, wo nicht gedruckte Exemplare zirkulirten. Die Gnade Josephs ward so hoch aufgenommen, daß die ganze Gegend in Bewegung zu kommen schien, auswandern zu wollen“. (40)  In der Tat war es fast wie bei einem Goldrausch. Die gemachten Versprechungen standen im Vordergrund. Die damit verbundenen Anstrengungen und Strapazen wurden nicht benannt. Im Zusammenhang mit der Anwerbung der Siedler nennt Eimann drei Namen, erstens Peter Decker, zweitens Konrad Bauer, und drittens Andreas Eckel. Von den beiden erstgenannten war wohl der intensivste Werber Peter Decker. Er hat ganze Listen zusammengestellt mit Namen von 69 Familien (41), die sich zusammen taten, die er alle überredet hatte zu siedeln.  Diese Listen wurden von ihm höchst persönlich dem Kaiser in Wien überreicht. Dieser versprach „den zween Deputirten“, die Familien bei Ihrer Ankunft ganz besonders bevorzugt zu behandeln. Als die beiden bei ihrer Rückkehr diese gute Nachricht verbreiteten, „so brachen so viele, mitunter auch recht wohlhabende Familien zur Auswanderung auf;  daß die Straßen völlig bedeckt wurden, und es das Ansehen bekam als wollten alle Menschen die Gegend verlassen.“ (42)

Weil man Decker von Seiten der „Churpfälzischen Landesregierung“ zur Verantwortung zog und ihm vorwarf zu viele Menschen zur Abwanderung veranlasst zu haben, nahm dieser „Ausreiß“. Johann Eimann (siehe nächster Abschnitt 6.A.2.) verurteilt in seinem Buch die Vorgehensweise des Duchrother Schulmeisters Decker abfällig, der es wohl bei seinen Werbeaktionen mit der Wahrheit nicht so genau nahm. Als dies von den Auswanderungswilligen bemerkt wurde, ist für viele das Vertrauen zerbrochen. (43) Decker selbst kam mit den meisten auf seiner Liste wohlbehalten in Wien an und wurde in Polen „ausnehmend gut angesiedelt“. (44)  Konrad Bauer schob alles auf den entflohenen Decker, so passierte ihm nichts. 

Ein besonderes Schlitzohr jedoch war der Anwerber, Schneidermeister Andreas Eckel, aus dem Rheingräflichen Wendelsheim bei Alzey, genannt „Schneider-Eckel“. Auch er verfasste eine lange Liste mit Ausreisewilligen und übergab sie dem Monarchen in Wien persönlich. Er verstand es glaubhaft zu machen, dass alle seine Leute ausnahmslos arm seien und er deshalb einen Vorschuß benötigte, um diese bis nach Wien zu unterstützen. Außerdem sei es wohl eine Leistung so viele Siedler für das Ansiedlungsprojekt zu gewinnen, das verdiene die Ausstattung „mit einem Amte in Pohlen“. Man glaubte ihm und händigte  ihm 1000 Gulden aus. Die Frage einer Beamtung wollte man angehen nachdem alles durchgeführt gewesen wäre.  Doch statt nach Deutschland zu fahren und seine Siedler zu holen, fuhr Eckel nach Polen. Er prahlte damit ein Beamter zu sein und spielte den Großen. Die dortigen Beamten wußten natürlich nicht wer er war. Bis ihnen einige Kolonisten die Augen öffneten, die ihn von zu Hause schon kannten und ihn als Prahlhans und Lumpenkerl entlarvten. Die Nachricht wurde sogleich nach Wien gemeldet. Als Eckel davon Wind bekam floh er mit dem Schiff auf der Weichsel bis Danzig, dann über die Ostsee und Nordsee nach Amsterdam. Von dort aus schrieb er einen Brief an seine Frau, sie solle schnellstens alles verkaufen und danach mit der Familie nach Holland kommen, um „nach Amerika abzusegeln“. Noch ehe die Schneidergattin mit dem Packen fertig war, kam bereits ein kaiserlicher „Kommißär“ von Wien nach Wendelsheim und hat das ganze Ekelsche Vermögen beschlagnahmt. Frau Eckel reiste „armselig mit ihren Kindern nach Holland“. (45)

 

6.A.2.    Der Exodus -  Die Reise der Kolonisten nach Wien und weiter

Obwohl die Landesherren am Anfang dem kaiserlichen Vorhaben der Ansiedelung nichts in den Weg legten, änderten viele ihre Meinung, als sie merkten dass es mit der Zeit zur regelrechten Entvölkerung mancher Ortschaften kam. Es wurden seitens der Landesfürsten Auswanderungsverbote erlassen. Doch die Menschen ließen sich davon auch nicht abhalten. „…wer das Gebiet seines Landes-Herrn nur einmal hinter sich hatte, konnte sich aus aller Gefahr und frey schätzen.“ Natürlich sollten alle Reisenden im Besitz eines Passes sein und dieser sollte möglichst aus Frankfurt (vom kaiserlichen Kommißär) stammen. Viele hatten jedoch keine Möglichkeiten an einen Pass aus Frankfurt zu gelangen. Man war erfinderisch im Fälschen. „so mußten auch Winkelpäße und allerhand Zettel gut seyn.“ Es reichte, die vorhandenen Pässe oder Zettel vorzuzeigen, so konnte man passieren, sowohl durch Franken über Würzburg und Nürnberg, als auch durch Schwaben über Ulm, Günzburg, und Donauwörth. „Aus Liebe zum Kaiser Joseph“ wurde den Reisenden kein Hindernis in den Weg gelegt. (46) Hatte man erst Regensburg erreicht, so wurden von der Kaiserlichen Gesandtschaft neue Pässe ausgestellt oder die alten unterschrieben.  Bei der Ankunft in Wien hatten diejenigen die nach Polen wollten sich bei der Böhmisch-Galizischen Landesregierung zu melden. Diejenigen, die nach Ungarn wollten, meldeten sich bei der Ungarischen Hofkanzlei. Die Einwanderung nach Polen ging interessanterweise schneller voran, so dass  bereits zum Ende des Sommers  1783  alle Güter in Polen besetzt waren. Aufgrund dieser Tatsache mussten ab Herbst 1783 nun alle weiteren Ankömmlinge in Ungarn siedeln….

 

Doch das Heimweh war bei den Siedlern genauso groß. Aber er ließ sich seinen eigenen Schmerz nicht anmerken. Sie hatten die alte Pfälzer Heimat aufgegeben und mussten mit den Gefühlen der „Heimatuntreue“ fertig werden. Sie empfanden „bittere Reue und ihr Gewissen bäumte sich auf.“ 

Eimann stand in dieser schicksalsschweren Zeit, mit warmem und mitfühlendem Herzen unter den Siedlern und spendete ihnen Mut und Kraft. Er erleichterte ihnen das Einleben in der neuen Heimat, die sie mit ihrem Herzblut bezahlten.

 

Im April 1786 wurde Eimann zum Baurechnungsführer befördert und stellte nun die Bauarbeiten ausschließlich unter seiner Leitung fertig. Er Ließ eine Fahrbrücke über den Kanal bauen. Schließlich sorgte er dafür, dass allen Siedlern die Verpflegung, das Kopfgeld, sowie Haus und Ackergeräte zukommen konnten.

Doch das Grundwasser blieb weiterhin ein Problem. Felder und Wiesen waren überflutet und die Brunnen vergiftet. Herr v. Kiss hatte deshalb bei der Hofkammer bewirkt, dass von Neusiwatz bis Neuwerbaß ein eine Klafter breiter (Längenmaß zw. 1,75m u. 1,89m) Entwässerungsgraben gezogen werden sollte um das überschwemmte Gebiet zu retten. Die Arbeit wurde im Herbst 1786 in Angriff genommen, über den Winter ununterbrochen eifrig fortgesetzt und im Sommer 1787 beendet.  Eimann nahm an der Ausführung dieser lebenswichtigen Entwässerungsarbeiten regen Anteil und erwies sich als verlässlicher Beamter.

Nach Beendigung dieser Grabungsarbeiten übersiedelte Eimann nach Torschau, in die erste josefinisch-protestantische Siedlung der Batschka, wo auf Grund von starken Regenfällen, viele Häuser eingestürzt waren. Diese wurden nun unter seiner Leitung neu aufgebaut. Gelegentlich musste er Dienstreisen nach Kischkeer und Siwatz unternehmen, um seines Amtes zu walten und dort den Kolonisten Kopfgelder auszuzahlen, sowie Lebensmittel, Saatfrucht und Haus-und Ackergeräte auszuhändigen.

Als im Jahre 1789 die josefinische Ansiedlung der Batschka abgeschlossen war, wurden alle Kolonisationsämter aufgelöst und die Beamten entlassen. Auf Eimanns eigenen Wunsch hin entließ ihn die Kameralverwaltung nach Neusiwatz,  wo er bis 1792 als Lehrer tätig war. Im Anschluss daran war er bis zum Jahre 1826 in Siwatz als Notär tätig. Er diente als den Siwatzern somit 37 Berufsjahre. Eimann war als Lehrer auch gelegentlich zum Predigtdienst eingesetzt und benutzte dabei das Predigtbuch von Pfarrer Eckhardt Sylvester aus Biberach „Postilla oder kurze Auslegung der gewöhnlichen Evangelien“. (55) …...

 

6.A.7. Der Franzenkanal

Weil das Entwässerungsprojekt so erfolgreich verlaufen ist kam die Idee ins Gespräch, das Projekt eines Schiffahrtskanals anzugehen,  „Der Plan wurde nun gänzlich ausgearbeitet, die Ausführung aber durch den darzwischen getretenen Türkenkrieg unterdrückt…Kaum war aber der Türkenkrieg geendigt, so kam die anjetzo noch bestehende Löbl. Königl. privil. Ung. Kanalschiffahrts- Gesellschaft zu stande. Mithin wurde der Kanal 1792 zu graben angefangen und 1802 beendiget, 300.000 fl (gulden) darauf verwendet worden seyn sollen.“ (56) J. Pokorny nennt in seinem Aufsatz für das Siwatzer Heimatbuch sogar 901.852 fl, also fast eine Million Gulden. An Arbeitskräften waren 4000 bis 5000 Erdarbeiter, 50 Zimmerleute, 40 Maurer, und 60 Zweispännerwagen vorgesehen. (56.a.) Ein Erdarbeiter hob pro Tag etwa 2 m³ Erde aus. Insgesamt wurden etwa 5 Millionen m³ Erde bewegt. (56.b.)

Damit das so wichtige Werk zügig in Angriff genommen und durchgeführt werden konnte, wurden „freywillige Arbeiter, und sogar mittels Zeitungen auch aus dem Auslande eingeladen, wozu sich wirklich eine große Menge Wiener einfanden. Der ganze Kanal war ingenieurmäßig ausgemessen, nivelliret, ausgesteckt, und abgefurcht; dann war er ferner in Stationen eingetheilet, wo für die Arbeiter Baraken, Hütten und Wirthshäuser errichtet wurden;…Es wurde bei dieser Arbeit sehr vieles Geld verdienet. Fleißige Leute erhielten zu 100 bis 200 Gulden Vorschußgelder, und es finden sich in hießiger Gegend nicht wenige, die sich Haus und Gut verdienet haben.“(57)

Auch im Bereich Gesundheitswesen sorgte man vorbildlich für die Arbeiter, denn es „wurden auch Spitäler errichtet, worinnen die bei der Arbeit erkrankten Menschen unentgeldlich bestens verpfleget worden sind. “ (57)

Die Versorgung der Arbeiter war vorzüglich. Sogar in der „theuren Zeit 1795, wo die wohlhabensten Einwohner hiesiger Gegend mit Haber- und Hirsenbrod zu frieden seyn mußten,“ gab es für die Kanalbauarbeiter „genügend des schönsten Brodes um einen geringen Preis, so daß solche noch ihre Familien und Freunde zu Haus reichlich damit versorgen konnten… Also lauter Gutes hat dieses große Werk von Ausgrabung der ersten Schaufel Grundes an, bis zu dieser Stunde der ganzen Umgegend…gebracht; und es ist vollkommen wahr, was der Urheber des Kanals Herr Joseph v. Kiss sehr oft sagte: dass der Kanal ein Segen Gottes für das Bácser Comitat seyn werde.“ (58)

Die Hauptargumentation der Gebrüder Kiss für den Kanalbau bestanden a. in wirtschaftlichen Vorteilen, z.B. eingesparte Zeit (flussaufwärts 10 Tage und flussabwärts 20 Tage) durch einen kürzeren Transportweg. Die Verkürzung belief sich auf 258 Kilometer. (58.a.)

Johann Eimann hatte ein zweites Mal geheiratet, nachdem seine erste Frau verstorben war. Er selbst wurde 83 Jahre alt und verstarb am 2. Oktober 1847 in Siwatz wo er auch begraben ist…...

 

6.A.8. Torschau und Siwatz – 

die erste Generation der Wendels  auf dem Balkan

Da unsere Vorfahren nicht vom Schlage Johann Eimanns waren, hatten sie auch nichts schriftlich festgehalten, wie z.B. die Ansiedelungsphase und die Folgezeiten. Sie haben auch keine Dokumentation erstellt, in einer Art akribisch aufgezeichneten Familienchronik, die heute allerdings von großer Bedeutung wäre. Niemand aus dem Kreise der Siedler tat dies. Deshalb sind Eimanns Aufzeichnungen wirklich als exemplarisch für die gesamte Siedlergeneration der ersten Stunde anzusehen. Was die Wendel- Familie betrifft, so gibt es aus der Ansiedelungsepoche nur spärliche Anhaltspunkte. Diese sind zwar nicht ausreichend um eine vollständige Rekonstruktion der ersten Wendel-Generation auf dem Balkan zu erstellen. Sie ermöglichen dennoch, zumindest eine teilweise Rekonstruktion, und sind im Kontext der Geschichte ausreichend, um sich eine Vorstellung zu machen, wie es gewesen sein könnte.

 

6.A.8.1. Eimanns Aufzeichnungen zur Siwatzer Ansiedelung

Nach Eimanns Aufzeichnungen wurden im Jahr 1986, bei der Gründung von Neusiwatz, 135 Familien angesiedelt, mit insgesamt 475 Personen. Unter ihnen waren „…verheurathete Männer 130, Weiber 135, ledige Mannspersonen 107, Weibspersonen 103…“ (59) Eines ist sicher, unter diesen ersten 135 Familien, die in  Siwatz angesiedelt wurden, waren keine Wendels dabei. 

 

6.A.8.2. Siwatzer und andere Quellen

Wohl aber ist im Siwatzer Heimatbuch eine zweite Liste erwähnt, in der die Namen derer verzeichnet sind, die etwas später nach Siwatz kamen. In dieser Liste sind drei Wendelnamen erwähnt. Ich werde im weiteren Verlauf  wenn Namen in der Generationenfolge mehrfach vorkommen, diese mit römischen Ziffern versehen, um besser unterscheiden zu können.

Der erste ist ein Jakob Wendel, der mit Katharina Schenkenberger verheiratet ist.  Er kam im Jahre 1803 mit seiner Frau von Torschau nach Siwatz. (60)  Im Siwatzer Ortssippenbuch sind die beiden Namen ebenfalls dokumentiert. Während das Geburtsdatum von Katharina Schenken-berger mit dem 18.02.1766 angegeben ist und als Geburtsort, Zellertal- Zell (in. D. Pfalz zwischen Bockenheim und Alzey) nachzuvollziehen ist,(61) sind von ihrem Ehemann Jakob I. Wendel, bis jetzt noch keinerlei Angaben über seine Herkunft zu machen.  Es gilt dennoch als gesichert, dass diese beiden Personen diejenigen Einwanderer aus der Pfalz sind, auf die unsere Sippe zurückgeht. Nachforschungen im landeskirchlichen Archiv in Speyer haben ergeben, dass die Kirchenbücher aus jener Zeit nicht mehr existieren. Es gibt ein Dokument mit einer Aufzeichnung des damaligen Pfarrers, Johann Wolfgang Wernhard Kirchhofer, aus dem hervorgeht, dass das Kirchenbuch mit den Eintragungen der Kasualien „vor dem Jahr 1782, so unbrauchbar geworden ist, dass es im Almosenkasten aufbewahrt“ wird.(62)  Es lässt sich allerdings einiges vermuten…  

 

6.A.8.3. Torschauer Quellen

Da die erste Wendelfamilie Jakob I. Wendel u. Katharina Schenkenberger mit dem gerade zweijährigen Jakob II., im Jahre 1803 von Torschau nach Siwatz kamen, liegt es nahe weitere Recherchen in den Torschauer Quellen anzustellen. Von der Ansiedelung in Torschau, die im Jahre 1784 erfolgte, gibt es ebenfalls eine Liste mit 250 Namen von Siedlerfamilien, der damaligen ersten Siedlergeneration.  Diese Liste wurde vom damaligen Ortsnotär Georg Lamb, in der Zeit vom 15. bis 17 April im Jahre 1790, erstellt.(67) Auch auf dieser Liste taucht der Name Wendel nicht auf. Es ist anzunehmen, dass die Ansiedelung der ersten Wendelfamilie in Torschau, wäre sie denn bis 1790 erfolgt, in dieser Liste aufgeführt worden wäre.

 

6.A.8.3.a. Erste These – Einwanderung zwischen 1790 und 1801

Somit ergeben sich zwei Jahreszahlen als geschichtliche Eckpunkte. Nämlich der Zeitpunkt der Anfertigung der Torschauer Liste, mit dem             17. April 1790, und das Geburtsdatum des Sohnes des ersten Wendel- Siedlerpaares, Jakob II. Wendel, mit dem 26. Oktober 1801 in Torschau. Innerhalb dieses Zeitraumes von elf Jahren müssen Jakob I. Wendel und Katharina Schenkenberger sich in Torschau angesiedelt haben.

 

6.A.8.3.b. Zweite These – Einwanderung als Eheleute

Es ist weiter anzunehmen, dass die beiden bereits als Eheleute in Torschau ankamen. Immerhin war Katharina zwischen 24 und 35 Jahre alt und ihr Mann Jakob hatte sicherlich ein ähnliches Lebensalter. Diese Vermutung ist deshalb nahe liegend, da die starke religiöse Ausrichtung in der reformierten Tradition sehr enge Moralvorstellungen hatte, nach denen ein Zusammenleben vor der Eheschließung undenkbar war. Die Geschichte der Verehelichung von Johann Eimann, noch auf der Auswanderungsroute, während des Aufenthaltes in Wien, zeigt sehr genau die Einstellung, die bei diesem Thema als geboten erschien.

 

6.A.8.3.c. Dritte These – Mitarbeit beim Bau des Franzenkanals

Der Anreiz für die erste Siedlergeneration war das Ansiedelungspatent. Dieses konnte mit seinen ganzen Vorteilen jedoch nicht mehr angewendet werden, just ab dem Zeitpunkt, von dem an die Sollzahlen für die Besiedelung (vgl. 6.A.4.) erfüllt waren. Außerdem waren die Ansiedelungsämter bereits im Jahr 1789 aufgelöst worden (vgl. S.?). Wer dann noch siedelte musste es aus eigenen Kräften versuchen. Eine der großen Einkommensmöglichkeiten war, wie bereits erwähnt, der Bau des Franzenkanals, der in zehnjähriger Bauzeit (1792 – 1802) erfolgte.

Der Kanal führt direkt an der Ortschaft Torschau vorbei. Es ist anzunehmen, dass Jakob I. Wendel durch Zeitungen und amtliche Verlautbarungen von der Anwerbung der Arbeiter für dieses renommierte Bauprojekt hörte. Die Nachrichten von den lukrativen Verdienstmöglichkeiten, sowie von der inzwischen gelungenen Ansiedelung vieler Landsleute beeindruckten viele. Schließlich waren auch Verwandte seiner Ehefrau, wie z.B. der aus Zellertal-Zell stammende Jakob Schenkenberger (am 23.Okt. 1800 verstorben), bei den ersten 135 Familien der Siedler in Siwatz bereits dabei.  Die Gründung einer eigenen Existenz, der Erwerb eines Hauses in Neusiwatz mit allem drum und dran, ohne Zuschüsse aus dem kaiserlichen Ansiedelungspatent, war nur mit dem nötigen Kapital möglich. Dieses hat sich Jakob I. Wendel durch Fleiß und mit seiner Hände Arbeit mit ziemlicher Sicherheit beim Bau des Franzenkanals verdient. (vgl. 6.A.7.). Täglich zehn bis zwölf Stunden Arbeit, konnte man nur gut überstehen, weil die Verpflegung ausgesprochen gut war. Viele auch wohlhabende Siedler haben die Arbeiter um ihre gute Versorgung beneidet. Diese war so gut und umfangreich, dass man die „Lieben zu Hause“ gut mitversorgen konnte. Wenn da nur nicht, die sich immer wieder wiederholende Trennung von der lieben Frau gewesen wäre. Wenn es auch jedes Mal nur für einige Tage war, so fiel es dennoch schwer. Umso mehr freute man sich, wenigstens ab und zu am Sonntag zu Hause zu sein. Die Trennung fiel noch schwerer als der kleine Sohn Jakob II. zur Welt kam.

Während Jakob I. Wendel die Woche über als Wanderarbeiter in den  eigens für die Kanalbauarbeiter, entlang der Kanalroute errichteten Baracken wohnte, kümmerte sich Ehefrau Katharina zu Hause um den kleinen Jakob. Vater Jakob I. bekam man nur selten zu Gesicht.  Aber man hatte ja ein Ziel, nämlich die Gründung einer eigenen Existenz. Mit diesem Ziel im Auge war alles andere erträglich.

Als der Kanal 1802 fertig gestellt war, wurde es Zeit die lange ersehnte Existenzgründung für die junge Familie vorzunehmen. Gleich im darauf folgenden Jahr, vermutlich im Frühjahr 1803 siedelte die Familie um von Torschau nach Neusiwatz. Das Erarbeitete und Ersparte reichte für einen hoffnungsvollen Neubeginn. Eines hatte Jakob I. Wendel mit Sicherheit noch  „im Gepäck“, nämlich die Tradition des Weinbaus. Sie wurde in der Familie Wendel seit Generationen gepflegt und immer wieder an die Jungen weitergegeben.

 

Exkurs: Wohlstand durch den Kanalbau

Wenn auch die erste Phase der Ansiedlung in Torschau mit Schwierigkeiten und Rückschlägen verbunden war, so brachte doch der Bau des Franzenkanals mit der Zeit einen gewissen Wohlstand.  Davon profitierten die Ansiedelungen Siwatz und Kischker, vor allem aber Werbaß und Torschau. Dass im Laufe der Zeit fleißige und geschäftstüchtige Torschauer Bürger es auf diesem Hintergrund über Generationen zu etwas gebracht haben, geht aus den Aufzeichnungen des Pfarrers Hagen in seinem Bericht aus dem Jahre 1936 über Torschau (Torža, heute ‚Sabino Selo’) hervor: 

„Torža kann seiner eigenen Verhältnisse wegen in kirchlicher Beziehung eine der schwierigsten Gemeinden genannt werden. Hier hat wachsender Reichtum den Bauern verführt, nur noch privatisierender Genießer seines Reichtums zu werden oder sich als Mitglied von wirtschaftlichen Unternehmungen nur noch für Gewinne zu interessieren. Es ist kaum glaubhaft und entspricht doch den Tatsachen, dass hier Villen gefunden werden, wie sie wohl kein deutscher Bauer im Reich besitzt. Es fehlt nicht an vergoldeten Möbeln mit Damastbezügen, Seidentapeten, Parkettböden, Perserteppichen und Prachträumen. Es fehlt aber auch nicht an einer Herzenshärte, die dem Elend und der Not in dem Ort befindlichen Waisenhaus ruhig zusehen kann…Auch die sittlichen Zustände sind durchaus nicht erfreulich. Das kirchliche Leben lässt zu wünschen übrig.“ (1) ……

 

6.B.3. Der Ansiedlervertrag - Die Wendels in Welimirowatz

Es war also im Frühjahr 1885, Ende April, als auch Heinrich Wendel mit seiner Frau Katharina geb. Boller und den beiden Kindern Christian und Katharina, sich zusammen mit seinem Bruder Phillipp I. Wendel und dessen Ehefrau Katharina geb. Bender samt ihrem ersten, damals zweieinhalb jährigen Sohn, Phillipp II. (Großvater des Autors), in den Treck auf der staubigen Landstraße in Richtung Südwesten einreihte. Selište, das wie schon erwähnt, später Welimirowatz genannt wurde, war das Ziel. Jenes Stück ‚Urwald’ in der Nähe von Naschitz (Našice), aus dem durch Rodung und harte Arbeit der Siedler, erst noch eine Ortschaft werden sollte.

Dass beide Wendelbrüder von Anfang an in Welimirowatz dabei waren, das geht aus dem oben erwähnten Ansiedlervertrag aus dem Jahr 1885 hervor, dem am Ende ein Namensverzeichnis beigefügt ist, in welchem die Namen von Heinrich Wendel und Philipp (damalige Schreibweise ‚Filip’) Wendel aufgeführt sind. Ein Exemplar eines solchen Vertrages wurde dem Chronisten von einer Familie Knittel zur Dokumentation überlassen und wird mit dessen Genehmigung im Folgenden hier veröffentlicht. Der Vertrag hatte in etwa die Form eines  A6 Oktavheftchens, in welchem des Weiteren im Anhang alle Beträge aufgeführt wurden, die die Siedlerfamilien der Herrschaft schuldeten. Während zur Zeit der josefinischen Erstbesiedelung den Siedlern im Ansiedelungspatent große Vergünstigungen in Form von Starthilfen (Überlassung von Baumaterial, Werkzeugen, Saatgut und Vieh) zuteil wurden, die nicht zurück bezahlt werden mussten, wurden nun, hundert Jahre später, die vom Grafen Pejachevich zur Verfügung gestellten Starthilfen als Schulden im Ansiedlerbüchlein festgehalten. Diese mussten von den Siedlern abverdient werden.

Besonders schlimm muss es im Jahre 1888 gewesen sein. So heißt es bei L. Barwich: Das zusätzliche Abverdienen der im Ansiedlerbuch vermerkten Schulden, und die Mißernte des Jahres 1888 ließen die Schulden der Dorfbewohner auf 80.000 Gulden anwachsen. Da erreichte der Missionspfarrer Göde beim Grafen, daß die Schulden nicht verzinst werden und nur 50 Gulden in einem Jahr abverdient werden müssen.(92.e) …...

 

Und nun darf sich der Leser und die Leserin freuen, zu erfahren wie es weiter geht, wie die Familie nach Beschka kam und dort sesshaft wurde, bis dann die Vertreibung der Beschaulichkeit ein jähes Ende setzte und ein neuer Aufbruch erzwungen wurde. Die bald zu erwartende  Familiengeschichte „Die Wendels“ wird die geweckte Neugier stillen!!!  (khw)

„Die Wendels“, so lautet der Titel der Familienchronik, die Dekan Wendel in einem ersten Entwurf fertig gestellt hat. Er ist derzeit dabei verschiedene Inhalte zu ergänzen, so z.B. ein umfangreicher Abschnitt über die Pfälzer Wendelsippe aus Dalsheim über Rüssingen, Laumersheim bis Bockenheim, die mit einem 100 – jährigen Bürgermeister aufwarten kann.

Auch über die Odenwälder Wendelsippe, die in der Tradition des Schuhmacherhandwerks steht, wird es einen Bericht geben. Dekan Wendel hofft, das Werk bis zum kommenden Jahr fertig zu stellen. Dann nämlich, genauer gesagt am 1. Mai des Jahres 2010 wird es ein großes Wendeltreffen in der Pfalz, in Bockenheim geben. Alle die in irgend einer Weise mit der Familie ‚verbandelt‘ sind, können sich HIER per E– mail die Anmelde-unterlagen bestellen.

Im Folgenden ist auszugsweise eine LESEPROBE aus der Familienchronik präsentiert. In diesem Falle handelt es sich um Textstellen, die die Wendelsippe aus dem Balkan betreffen. Viel Freude beim Lesen!