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Vom 26. Mai bis 01. Juni 2009 fand unter der Leitung von Dr. Ludwig Eisenlöffel zum fünften Mal eine Reise nach Serbien statt. Reiseziel war wieder Beschka, ein ca. 7000-Seelen-Dorf, etwa 50 km nordwestlich von Belgrad, direkt an der Donau gelegen. Eisenlöffel ist selbst in Beschka geboren und dort als junger Mensch aufgewachsen. Die Reisegruppe zählte etwa 60 Personen, von denen etwa die Hälfte auch in Beschka geboren waren. Viele von ihnen sind inzwischen weit über achtzig und wollten noch einmal  ihre alte Heimat sehen.

Die anderen Reiseteilnehmer sind „Nachgeborene“ der ersten und zweiten Generation, nach Flucht und Vertreibung 1944/45, die das Bedürfnis hatten nach ihren Wurzeln zu suchen. 

Dr. Eisenlöffel hatte zusammen mit seiner Frau Ursula ein abwechslungsreiches Programm zusammengestellt. Geistlicher Reisebegleiter war Dekan Karl-Heinz Wendel aus Fürstenfeldbruck.

Während ein Schwerpunkt der Reise zweifellos auf dem Besuch der alten Heimat lag, gab es auch noch einen anderen, nämlich ein Sondierungsgespräch zur Begründung einer kommunalen Partnerschaft zwischen dem serbischen Ort Beschka und dem bayerischen Ort Karlshuld, im Donaumoos. Aus diesem Anlass reiste auch der 2. Bürgermeister aus Karlshuld, Benno Baur mit nach Serbien.

 

Fotos oben links: Rathaus Karlshuld, rechts: 1.Rathaus Beschka, 2. Begrüßung v.l.n.r. Vorsitzender des Kulturvereins „Altes Beschka“ Dusko Stoisic, Dr. Ludwig Eisenlöffel; Bürgermeister von Beschka Dusko Lupurovic. 3. Dekan Wendel u. Bürgermeister Benno Baur an der Donaubrücke Belgrad- Novi Sad, 4. Die Bürgermeister Lupurovic und Baur mit Dekan Wendel beim Begrüßungsdrink.

 Die Wendel-Familie weltweit………

Reise nach Beschka im Mai 2009

(Bericht mit Bildern zum Text von Karl-Heinz  Wendel)

Textfeld: Sondierungsgespräch für eine kommunale Partnerschaft zwischen Beschka und Karlshuld

Hintergründe

Als Nachkomme von donauschwäbischen Eltern, die in Beschka geboren sind, war Wendel zehn Jahre evangelischer Gemeindepfarrer in Karlshuld (1981-1991). Anschließend war er als Militärpfarrer u.a. im Jahr 2000 im Kosovo eingesetzt. Als Mann der Kirche versteht er sich als Brückenbauer und Diener der Versöhnung. Während die von seinem Freund, Dr. Eisenlöffel seit einigen Jahren organisierten Beschkareisen, vor allem der Vergangenheitsbewältigung gewidmet sind, gilt Wendels Interesse dem Blick in die Zukunft. „Wenn die ganze Sache mit dem Tode des letzten in Beschka geborenen Donaudeutschen nicht auch sterben soll, dann müssen wir die Gunst der Stunde nutzen und JETZT Kontakte für die Zukunft knüpfen“ so Wendel. Deshalb wurde von ihm die Idee einer kommunalen Partnerschaft ins Gespräch gebracht. Er stieß dabei sowohl in Beschka als auch in Karlshuld, seinem früheren Wirkungsort, auf offene Ohren.

 

Gemeinsamkeiten zwischen Beschka und Karlshuld

Interessant ist, dass es tatsächlich objektive Gemeinsamkeiten zwischen diesen beiden Orten gibt. Da ist zum einen die Donau, der Schicksalsstrom Europas. Die Entfernung zum Donauufer ist in beiden Orten ungefähr gleich, nämlich ca. 5 Kilometer. Zum anderen zeigt die Besiedelungsgeschichte, z.B. durch Pfälzer Siedler verblüffende Parallelen auf. Zum dritten ist die dörfliche Struktur als Straßendorf in beiden Orten von unglaublicher Ähnlichkeit. Die größte Hoffnung setzt

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Menschen sich begegnen. Als Grundlage für die Sondierungsgespräche in Beschka verlas Bürgermeister Benno Baur einen Grußbrief des ersten Bürgermeisters von Karlshuld, Karl Seitle. Dieses Schreiben ist untenstehend abgedruckt.

Beschka

Wendel jedoch auf die Menschen. Wenn es durch die Partnerschaft zu vielen guten Begegnungen kommt, dann ist dies der sicherste Weg, zu einem friedlichen Zusammenleben der Völker Europas in der Zukunft. „Versöhnungsarbeit ist gut, damit Wunden heilen. Noch besser ist es sich keine mehr zuzufügen.“ so Wendel. Er setzt dabei auf die Freundschaften die entstehen wenn

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

                                                                                                                                                                                    Karlshuld, den 20. Mai 209

Hohe Geistlichkeit,

Sehr geehrter Herr Bürgermeister Lupurovic,

Sehr geehrte Damen und Herren Gemeinderäte,

Sehr geehrte Damen und Herren des Kulturvereins,

Sehr geehrte Bürgerinnen und Bürger von Beschka,

 

als erster Bürgermeister der Gemeinde Karlshuld freue ich mich, Ihnen auf diesem Wege meine herzlichsten Grüße übermitteln zu dürfen. Leider kann ich selber bei der Beschkareise vom 26. Mai bis 1. Juni 09 nicht dabei sein. Aus diesem Grunde wird unser zweiter Bürgermeister, Herr Bankdirektor, Benno Baur, mich vertreten und Ihnen meine Grüße überbringen. Wenn sich jedoch unsere Beziehungen entwickeln, wovon ich ausgehe, dann wird sicherlich ein Besuch in absehbarer Zeit erfolgen.

 

Ich komme nun gleich zum Wichtigsten. Auf Anregung von Herrn Dekan Karl-Heinz Wendel, dessen Vorfahren ja aus Beschka stammen, und in Absprache mit Herrn Dr. Eisenlöffel, dem Organisator der Reise, haben wir uns entschlossen einen ersten Kontakt mit Ihnen aufzunehmen, und in Erfahrung zu bringen ob und in welcher Weise eine kommunale Partnerschaft zwischen unseren beiden Gemeinden in der Zukunft möglich werden könnte.  Im Hinblick auf die Besiedelungsgeschichte (z.B. Pfälzer Siedler im 19. Jahrhundert) unserer beiden Gemeinden gibt  es doch allerlei Berührungspunkte. Auch die geographische Lage in der unmittelbaren Nähe zur Donau ist eine wichtige Gemeinsamkeit.

 

Einerseits durch den 2. Weltkrieg, der von Deutschland ausging und andererseits durch die Vertreibung der Deutschen aus ihrer angestammten Heimat, ist viel Leid bei den Menschen unserer beiden Nationen entstanden. Beide Völker haben dadurch aber auch Schuld auf sich geladen. Dazu gilt es nach so langer Zeit, auch Zeichen der Vergebung und der Versöhnung zu setzen. Soweit dies möglich ist, müssen wir die  Fehler der Vergangenheit aber auch überwinden, so dass Wunden heilen können. Ein kleiner, aber wichtiger Beitrag sind  diese Reisen, bei denen ältere Menschen, die der Kriegsgeneration angehören, noch einmal ihre alte Heimat sehen können. Ein in die Zukunft gerichteter Beitrag zur konstruktiven Völkerverständigung könnte eine solche Partnerschaft werden, wie sie von Dekan Wendel angeregt wurde und von uns freudig befürwortet wird. Wir hoffen, dass die Idee einer Partnerschaft auch bei Ihnen offene Herzen und Ohren findet.

 

Für die bevorstehenden Sondierungsgespräche wünsche ich Ihnen eine gute Gesprächsatmosphäre und einen hoffnungsvollen Blick in die Zukunft. Ich bin sicher, Sie werden eine Reihe von Themen und Begegnungsmöglichkeiten finden, für die es sich lohnt Kraft und Zeit zu investieren, um Schritte in ein gemeinsames Europa zu gehen. Es wäre schön, wenn auf dem Hintergrund des jahrzehntelangen guten Zusammenlebens von Deutschen und Serben in Ihrem schönen und ehrwürdigen Ort Beschka, wir einen Brückenschlag zustande bringen könnten, in das heutige Deutschland, der einen positiven Impuls in die Zukunft setzt. 

 

Die guten Taten für die Menschheit beginnen in den Herzen der Menschen. Mögen viele gute Gedanken unsere Herzen begeistern und zu vielen guten Begegnungen mit den  Menschen aus unseren beiden Gemeinden führen. Ich grüße Sie im Namen unseres Gemeinderates und der Bürger von Karlshuld im Donaumoos,   mit den herzlichsten Grüßen und allen guten Wünschen,

 

Ihr  Karl Seitle,  1. Bürgermeister

Der erste Bürgermeister der Gemeinde Karlshuld

Karl Seitle

 

Hauptstraße 68, 86668 Karlshuld

Tel.: 08454-94930,

e-mail:gemeindeverwaltung@karlshuld.de

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Fotos: 1.Verhandlungen                                             2.Freude über das Ergebnis                                      3. Austausch von Gastgeschenken

 

Ergebnis des Sondierungsgesprächs (Auszug aus dem Protokoll)

...Am Donnerstag, den 28. Mai 2009 um 16:30 Uhr fand im Rathaus zu Beška (Srem, Serbien) ein Sondierungsgespräch, über die Möglichkeiten einer kommunalen Partnerschaft zwischen Beška in Serbien und Karlshuld in Bayern, statt. Die Gesprächsleitung hatte der Beškaer Bürgermeister, Duško Lupurovic. Als Dolmetscher dienten Herr. Dr. Eisenlöffel und die Deutschlehrerin, Frau Mirjana Jovic.

An dem Gespräch nahmen Delegierte und Interessenvertreter aus beiden Ortschaften, bzw. Nationen teil.

1. Begrüßung durch Bürgermeister Lupurovic

2. Grundsatzrede zur Motivation der geplanten Partnerschaft durch Dekan Wendel.

3. Danach erfolgte die Vorstellung der Gemeinde Karlshuld durch Bürgermeister Benno Baur und die Verlesung des Grußbriefes. … Bürgermeister Bauer legte Wert auf die Feststellung, dass er nach seiner Rückkehr aus Beška, dem 1. Bürgermeister, Karl Seitle und dem Gemeinderat Bericht erstatten wolle. Danach werde man in einer Sitzung des Gemeinderates endgültig über die Partnerschaft beschließen. Er merkte außerdem an, dass er unter den möglichen Projekten die man anpacken könnte, dem Schüleraustausch die besten Chancen einräumt. Auch im Bereich des Sports, sowie in den Themenfeldern der beiden Kulturvereine sieht er gute Möglichkeiten.

4. Es folgte eine kurze Erörterung von möglichen Themenfeldern.

5. Bürgermeister Lupurovic fasste abschließend das Ergebnis wie folgt zusammen:

a.     Es ist gut dass wir auf beiden Seiten diese Partnerschaft beabsichtigen.

b.     Er habe nun ebenfalls in seinem Gemeinderat einen grundsätzlichen Beschluss herbei zu führen.

c.     Nachdem dieser Schritt erfolgt sei, wird er an Bürgermeister Seitle einen entsprechenden Brief schreiben. Es ist klar, dass nun Beschka am Zug ist.

d.     Danach beabsichtigt er mit einer Delegation nach Karlshuld zu kommen um den Partnerschaftsvertrag zu unterschreiben. Der Termin könnte nach seiner Vorstellung bereits im Herbst 2009 sein.

e.     Im Gegenzug sollte dann danach eine Delegation von Karlshuld nach Beschka kommen, um dort unter Einladung der deutschen Botschaft und der Presse- und Medienberichterstatter, ebenso die Partnerschaft öffentlich zu bekunden. 

6. Zum Schluss der Sitzung wurden gegenseitig Gastgeschenke ausgetauscht.

Die römisch katholische Gemeinde zählt ca. 600 Gemeindeglieder und ist somit, mit 10 Prozent Bevölkerungsanteil, in Beschka in der Diasporasituation. Die Gemeinde besteht vorwiegend aus Menschen kroatischer Abstammung. Der katholische Pfarrer Losavec, von Beschka hat uns sehr herzlich und gastfreundlich zu Kaffee und Kuchen in seinem Gemeindehaus empfangen (Foto unten Mitte). Am Rande des gemütlichen Kaffeetrinkens kam es zu einer Begegnung mit dem Theologieprofessor Dr. Peter Kuzmic (Foto unten rechts) und seinem früheren theologischen Lehrer, Dr. Ludwig Eisenlöffel. Kuzmic ist Professor an der Universität in Boston und leitender Professor des theol. Instituts in Osjek.

Textfeld: Begegnungen bei der 5. Reise nach Beschka

Herzliche Begrüßung durch den Bürgermeister Lupurovic, sowie einer Gruppe junger Mädchen in serbischer Tracht, die uns Brot und Salz als Willkommensgruß reichten. Dazu gehörte auch das „Nationalgetränk“, der obligatorische Slibowitz.

(Siehe Fotos unten)

Besuch im ehemaligen Haus des Christian Dörner, in der „langen Gasse“. Wunderschön ist das alte Bauernhaus wieder im ursprünglichen Zustand von den neuen Besitzern, dem Ehepaar Tischma, restauriert. Mit seinen am Eingang angedeuteten Kapitellen, dem alten kunstvoll gefertigten Hoftor, den Stuckrahmen um die Fenster und dem Namenszug des ehemaligen Besitzers über dem Eingang, vermittelt das Anwesen einen gepflegten Eindruck. Bewegend und voll Dankbarkeit war die Begegnung der inzwischen ergrauten Dörnertochter (Foto unten) mit dem derzeitigen Besitzerehepaar ihres früheren  Hauses.

Die

christlichen Kirchen in Beschka

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Katholische Kirche Beschka

Die serbisch orthodoxe Gemeinde in Beschka hat heute ca. 6000 Gemeindeglieder. Die Kirche ist neu renoviert und in einem guten Zustand. Beeindruckend ist die prachtvolle Ikonostase (Frontwand), hinter der sich der Altar zur Feier des Sakramentes der heiligen Eucharistie befindet. Hierzu hat nur der Priester Zutritt.

In einer sehr herzlichen Begrüßung durch den leitenden orthodoxen Pfarrer, Braco Sančani, wurde erneut die freundschaftliche Verbundenheit zum Ausdruck gebracht, die in der Tat in den vergangenen Jahren spürbar gewachsen ist. Dieses ist zweifellos ein Verdienst der Organisatoren, Dr. Ludwig Eisenlöffel und seiner Gattin Ursula Eisenlöffel. 

Orthodoxe Kirche Beschka

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Die Schule in Beschka ist ein Teil der „Zukunftswerkstatt“. Die Reisegruppe wurde von der Schulleiterin sehr freundlich willkommen geheißen. Sie erklärte anhand des neu gestalteten Schulwappens, dass die Verbindung von Deutschen zur serbischen Schule in Beschka bis ins 17. Jahrhundert zurück reicht. Eine kleine Spende im Regenschirm sollte als „ein warmer Regen“ helfen, das ein oder andere Lehrmittel zu erwerben (Fotos links).

Der Lehrplan sieht vor, dass ab der 1. Klasse Englisch und ab der 5. Klasse Deutsch unterrichtet wird. Die Begegnung auf dem Schulhof mit den jungen Schülerinnen und Schülern, ließ diese ihre erlernten Sprachkenntnisse, im Gespräch mit Bürgermeister Benno Baur gleich zur Anwendung bringen.

Dekan Wendel betonte in seinen Gesprächen, Ansprachen und Predigten immer wieder die Bedeutung der Begegnungen von Menschen auch über die nationalen und sprachlichen Grenzen hinaus. „Je mehr Menschen Freundschaften schließen, desto weniger Feindschaft wird es geben… und desto größer wird die Chance für den Frieden in der Welt!“ “...Es gibt keine Alternative zur Völkerverständigung im Geiste der Versöhnung!“

Rathaus Karlshuld

Rathaus Beschka